Bikepacking auf Island – 15 Tage zwischen Sturm und Stille
Es gibt Reisen, die vergisst man nicht.
Nicht, weil alles perfekt war – sondern genau deshalb, weil es das nicht war.
15 Tage.
Alleine.
Mit dem Fahrrad durch Island.
Durch Wind, Regen, Hochland, Zweifel – und durch Momente, die sich so tief eingebrannt haben, dass sie bleiben werden.
Das hier ist kein klassischer Reisebericht.
Es ist der Versuch, Worte für etwas zu finden, das man eigentlich fühlen muss.
Tag 1 – Willkommen auf Island: Schönheit mit Widerstand
Nach nur wenigen Stunden auf dem Rad war klar:
Island ist unfassbar schön – aber diese Schönheit hat Bedingungen.
Regen, dann Sonne.
Sonne, dann Sturm.
Und vor allem: Wind.
Nicht dieser nervige Wind, sondern einer, der dir den Atem nimmt, dich langsamer macht, dich permanent hinterfragt.
Ich war noch keine 24 Stunden auf der Insel und hatte das Gefühl, schon mitten in der Prüfung zu stecken.
Am Abend war ich leer.
Nicht enttäuscht – eher ehrfürchtig.
Island hat mir direkt gezeigt, wer hier die Regeln macht.
Tag 2 – Wasserfälle, Weite und völlige Reizüberflutung
Der nächste Tag war ein Kontrastprogramm.
Wasserfall Nummer eins.
Nummer zwei.
Nummer drei.
Man könnte sagen: „Ist halt Wasser, das irgendwo runterfällt.“
Aber das stimmt nicht. Nicht hier.
Diese Wassermassen, diese Geräusche, diese Einsamkeit – teilweise war ich komplett alleine an Orten, an denen normalerweise Busse stehen.
Ich merkte, wie schnell sich mein Blick veränderte.
Wie wenig es braucht, um glücklich zu sein: fahren, schauen, staunen.
Abends kroch ich müde, aber zufrieden in den Schlafsack.
Island hatte mich zum ersten Mal belohnt.
Tag 3 – Sonne, Gletscher und der Moment, warum man das alles macht
Dieser Tag fühlte sich leicht an.
Sonne, Wärme, Rückenwind – zumindest gefühlt.
Links Berge mit Gletschern.
Rechts das Meer.
Ich konnte gar nicht so viel essen, wie ich Eindrücke sammelte.
Das Flugzeugwrack war einer dieser Orte, die man eigentlich kennt – und die einen trotzdem völlig erwischen.
Rost, Lava, Leere.
Ich stand dort und wusste:
Genau für solche Momente nimmt man Strapazen in Kauf.
Abends am schwarzen Strand, Golden-Hour-Licht, absolute Ruhe.
Island in Champions-League-Form.
Tag 4 – Gegenwind, Stillstand und eine Krise
Das war der erste richtig harte Tag.
Sturm.
Seitlicher Wind.
44 Kilometer in sechs Stunden.
Ich schob, Ich fluchte,
Ich verlor meine Brille,
Ich verlor fast die Geduld.
Autos fuhren vorbei. Niemand hielt an.
Irgendwann war klar:
So geht es nicht weiter.
Den Daumen rauszuhalten war kein schöner Moment.
Aber es war der richtige.
Island hat mir an diesem Tag beigebracht:
Alleine sein heißt nicht, stur zu sein.
Tag 5 – Anpassung, Wärme und neue Energie
Landmannalaugar ist spektakulär.
Farben, Formen, geothermale Wunder.
Aber es ist auch voll.
Sehr voll.
Busse. Musik. Menschen.
Für einen Tagesausflug perfekt.
Für das, was ich suchte, eher schwierig.
Ich zog mich zurück, schlug mein Zelt auf einer ruhigeren Wiese auf und ließ die Drohne steigen.
Die Natur war überwältigend – der Ort selbst zu laut.
Auch das ist Island.










Tag 6 – Umplanen statt Durchziehen
Tag 7 – Es geht ins Hochland
Es geht bergauf.
Und weiter bergauf.
Über eine Straße, die diesen Namen eigentlich nicht verdient. Kaum befahrbar, rau, endlos.
Der Körper ist am Limit. Jeder Tritt kostet Kraft, jede Bewegung fühlt sich schwer an.
Doch die Aussicht ist wunderschön.
Weit. Still. Unwirklich.
Im Hochland ist nichts.
Keine Häuser, keine Geräusche, keine Orientierungspunkte.
Es fühlt sich an, als würde man über die Rückseite des Mondes fahren.
Und während die Augen satt werden, bekommt der Kopf etwas anderes serviert:
Wind, Starker Wind.
Er kommt ohne Vorwarnung, greift von der Seite an, zerrt am Rad…
Warum 15 Tage Bikepacking?
Ganz einfach:
Einen Tag braucht ihr für die Anreise, einen Tag für die Rückreise.
Dazu solltet ihr unbedingt Puffertage einplanen – in meinem Fall waren es drei.
Island kann alles.
Und Island hält alles bereit.
Genau deshalb war ich insgesamt 15 Tage unterwegs,
davon 11 Tage auf dem Fahrrad.
Fazit – Meine drei wichtigsten Learnings aus 15 Tagen alleine auf Island
1. Alleine zu reisen macht die schönen Momente intensiver – und die harten brutal ehrlich
Alleine unterwegs zu sein bedeutet, dass nichts abgefedert wird.
Keine Ablenkung.
Kein gemeinsames Lachen, wenn es gerade richtig weh tut.
Wenn es gut läuft, ist das Glück pur.
Wenn es schlecht läuft, fühlt sich alles doppelt so schwer an.
Island hat mir genau das gnadenlos gezeigt:
Einsamkeit ist kein Feind – aber sie verstärkt alles.
Und genau darin liegt ihre Kraft.
2. Anpassung ist keine Schwäche, sondern Überlebensstrategie
Ich bin mit klaren Plänen nach Island gekommen.
Und habe sehr schnell gelernt, dass diese Pläne kaum etwas wert sind.
Gesperrte Straßen.
Unfahrbare Wege.
Sturm, der jedes Vorankommen unmöglich macht.
Die wichtigste Fähigkeit auf dieser Reise war nicht Fitness oder Material –
sondern die Bereitschaft, Lösungen zuzulassen.
Auch unbequeme.
Den Daumen rauszuhalten, umzudrehen, umzuplanen –
das war kein Scheitern, sondern Verantwortung.
Gerade wenn man alleine unterwegs ist.
3. Härte macht nur dann Sinn, wenn man Raum für Stille lässt
Die Tour war körperlich extrem.
Wind, Kälte, Hochland, endlose Schotterpisten.
Aber die Momente, die geblieben sind, waren nicht die härtesten –
sondern die stillsten.
Alleine an einem Wasserfall.
Ein leerer schwarzer Strand.
Eine heiße Quelle mitten im Nichts.
Island hat mir gezeigt, dass man sich nicht ständig beweisen muss.
Manchmal reicht es, einfach da zu sein –
und zuzuhören.
Abschließender Gedanke
Diese 15 Tage waren kein Abenteuer, um stark zu wirken.
Sie waren ein Prozess.
Ich bin dankbar, dass ich ihn gegangen bin.
Und ehrlich genug zu sagen:
Es war wunderschön – und verdammt hart.
Genau so, wie es sein sollte.














